Sehen verstehen

Was bedeuten meine Brillenwerte?

SPH, CYL, Achse, ADD, PD – auf einem Brillenpass stehen oft mehr Abkürzungen als Wörter. Dabei beschreiben sie im Grunde nur, welche Korrektion für Ihre Augen ermittelt wurde und wie die Brillengläser passend dazu angefertigt und ausgerichtet werden. Wir erklären die wichtigsten Angaben Schritt für Schritt.

Auf einem Brillenpass werden die Werte für das rechte und linke Auge getrennt angegeben. Dafür finden sich je nach Pass zum Beispiel die Abkürzungen R und L, Re und Li oder ähnliche Schreibweisen.

Dass rechts und links unterschiedliche Zahlen stehen, ist nichts Ungewöhnliches. Die beiden Augen können unterschiedliche Korrektionswerte benötigen.

SPH oder Sphäre: die grundlegende Glasstärke

SPH steht für Sphäre. Der Wert wird in Dioptrien (dpt) angegeben und beschreibt die sphärische Korrektionswirkung des Brillenglases.

Dabei ist das Vorzeichen wichtig:

  • Ein Minuswert gehört typischerweise zu einer Kurzsichtigkeit.
  • Ein Pluswert gehört typischerweise zu einer Weitsichtigkeit.

Ein Wert von beispielsweise −2,00 dpt bedeutet also etwas anderes als +2,00 dpt.

Je weiter der sphärische Wert von null entfernt ist, desto stärker ist die entsprechende Korrektionswirkung des Brillenglases.

Die Sphäre allein erzählt allerdings nicht immer die ganze Geschichte. Deshalb können auf dem Brillenpass weitere Werte stehen.

CYL oder Zylinder: wenn zusätzlich ein Astigmatismus korrigiert wird

CYL, ZYL oder Zylinder bezeichnet eine zusätzliche Korrektionswirkung bei Astigmatismus, umgangssprachlich häufig Hornhautverkrümmung genannt.

Auch dieser Wert wird in Dioptrien angegeben und kann – abhängig von der verwendeten Schreibweise – mit einem Plus- oder Minuszeichen erscheinen.

Steht ein Zylinderwert im Brillenpass, gehört normalerweise auch eine Achse dazu.

Achse: die Richtung des Zylinders

Die Achse, häufig mit A, ACH, AX oder „Axis“ bezeichnet, gibt an, wie die Zylinderkorrektion ausgerichtet werden muss.

Sie wird nicht in Dioptrien, sondern in Grad angegeben. Der Bereich reicht von 0 beziehungsweise 1 bis 180 Grad.

Ein Achswert von 90 Grad bedeutet deshalb nicht, dass eine Fehlsichtigkeit „stärker“ ist als bei 20 Grad. Die Zahl beschreibt die Ausrichtung, nicht die Stärke der Korrektion.

Zylinder und Achse gehören daher zusammen: Der Zylinder beschreibt die benötigte Korrektionswirkung, die Achse deren Orientierung.

ADD oder Addition: der Zusatz für die Nähe

ADD steht für Addition oder Nahzusatz.

Dieser Wert begegnet Ihnen beispielsweise bei Gleitsicht-, Bifokal-, Lese- oder bestimmten Arbeitsplatzbrillen. Er beschreibt eine zusätzliche Wirkung für das Sehen in der Nähe, die zur Fernkorrektion hinzukommt.

Auch die Addition wird in Dioptrien angegeben.

Vereinfacht gesagt: Die Fernwerte beschreiben die Korrektion für die Ferne, die Addition ergänzt die zusätzliche Wirkung, die für den Nahbereich benötigt wird.

PD: klein angegeben, für die Zentrierung wichtig

PD steht für Pupillendistanz.

Sie wird in Millimetern angegeben und beschreibt die Position der Pupillen beziehungsweise deren Abstand zur Gesichtsmitte. Je nach Brillenpass finden Sie entweder einzelne Werte für rechts und links oder einen Gesamtwert.

Warum ist das wichtig?

Ein Brillenglas soll nicht nur die richtige Stärke haben. Es muss auch so vor dem Auge positioniert werden, dass Sie durch den vorgesehenen Bereich des Glases schauen. Dafür gehört eine sorgfältige Zentrierung zur individuellen Anpassung einer Brille.

Gerade bei anspruchsvolleren Brillengläsern können deshalb neben den eigentlichen Korrektionswerten weitere Mess- und Zentrierdaten wichtig sein.

Und was bedeutet Prisma?

Nicht auf jedem Brillenpass findet sich ein Prismeneintrag.

Wenn eine prismatische Korrektion vorgesehen ist, können Angaben wie PR, Prisma und Basis auftauchen. Ein Prisma verändert die Richtung des Lichtes im Brillenglas. Neben der Stärke der prismatischen Wirkung ist deshalb auch ihre Ausrichtung beziehungsweise Basislage relevant.

Prismenwerte lassen sich nicht sinnvoll losgelöst von der zugrunde liegenden Messung beurteilen. Wenn solche Angaben in Ihrem Brillenpass stehen und Sie wissen möchten, was sie in Ihrem konkreten Fall bedeuten, sollte man sich die Werte gemeinsam ansehen.

Ein Beispiel: So können Brillenwerte aussehen

Ein vereinfachtes Beispiel könnte so aussehen:

  • Rechts: SPH −2,00 | CYL −0,50 | Achse 90°
  • Links: SPH −1,50 | CYL −0,75 | Achse 80°

Das bedeutet zunächst nur:

Für beide Augen ist eine sphärische Korrektion mit Minuswert eingetragen. Zusätzlich ist jeweils eine Zylinderkorrektion mit der zugehörigen Achslage angegeben.

Was diese Kombination für Ihr persönliches Sehen, die Wahl des Brillenglases oder eine neue Brille bedeutet, lässt sich nicht sinnvoll allein aus einer einzelnen Zahl ableiten. Dafür müssen die Werte als Ganzes und im Zusammenhang mit Ihren Sehbedürfnissen betrachtet werden.

Warum können sich Brillenwerte verändern?

Ein Brillenpass ist eine Momentaufnahme der Werte, die zu einem bestimmten Zeitpunkt ermittelt wurden.

Wenn Sie mit Ihrer bisherigen Brille nicht mehr so sehen wie gewohnt oder Ihre letzte Messung schon länger zurückliegt, kann es sinnvoll sein, die aktuellen Werte erneut bestimmen zu lassen.

Eine alte Zahl im Brillenpass ist deshalb nicht automatisch der Wert, der heute noch optimal zu Ihren Augen und Ihrem Alltag passt.

Brillenwerte verstehen heißt nicht, die Brille selbst planen zu müssen

Es ist sinnvoll zu wissen, wofür SPH, CYL, Achse, ADD oder PD stehen. Eine gute Brille besteht aber aus mehr als einer Reihe von Zahlen.

Neben den Korrektionswerten spielen unter anderem Ihre Sehgewohnheiten, die gewünschten Entfernungen, die Fassung und die genaue Position der Gläser vor den Augen eine Rolle.

Wenn Sie Ihren Brillenpass mitbringen, können wir die Werte gemeinsam durchgehen und erklären, was für Ihre neue Brille tatsächlich relevant ist.

Sie haben Fragen zu Ihren Brillenwerten? Sprechen Sie uns in Kaltenkirchen oder Heiligenhafen an. Die passende Kontaktmöglichkeit finden Sie auf unserer Kontaktseite.

Quellen